Inspiration von außen (und von innen)
- 28. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Nachdem ich im letzten Beitrag darüber geschrieben habe, wie mein eigener Stil nicht plötzlich entstanden ist, sondern sich langsam durch Tun entwickelt hat, möchte ich heute einen zweiten Aspekt beleuchten, der dabei eine große Rolle spielt: Inspiration.
Denn Stil entsteht nicht im luftleeren Raum. Er wächst aus dem, was uns berührt. Aus dem, was wir sehen. Aus dem, was uns anzieht. Aber Inspiration ist nicht immer nur positiv. Sie kann ein Motor sein – und manchmal auch eine Blockade.
Inspiration von anderen Künstlerinnen – ohne zu kopieren
Ich liebe es, Kunst anzuschauen. Und ich meine nicht nur Kunst, die meinem eigenen Stil ähnelt. Oft inspirieren mich gerade Menschen, die etwas völlig anderes machen: Textilkünstlerinnen, Illustratorinnen, Grafikdesignerinnen, 3D-Designerinnen, Motion Designerinnen, Malerei, Skulptur, Installationen .
Wenn ich sehe, mit welcher Kreativität andere arbeiten, passiert etwas in mir: Ich will sofort ins Tun kommen. Nicht, weil ich genauso arbeiten möchte – sondern weil mich diese Energie ansteckt.
Dabei habe ich über die Jahre etwas Wichtiges gelernt: Inspiration bedeutet nicht, etwas nachzumachen. Sondern herauszufinden: Was genau berührt mich daran ? Ist es die Farbwelt ? Die Stimmung? Die Formensprache? Die Leichtigkeit? Die Tiefe? Wenn ich das erkenne, kann ich diese Elemente nehmen und in meine eigene Richtung übersetzen. So entsteht etwas Eigenes.
Die Schattenseite: Zu viel schauen, zu wenig machen
So wertvoll Inspiration ist – sie hat auch eine Kehrseite. Denn manchmal passiert das Gegenteil: Ich sehe so viele großartige Werke, dass ich nicht mehr anfangen kann. Statt Motivation kommt plötzlich dieser Gedanke: Alle sind schon so viel weiter. Und dann meldet sich dieses leise, unangenehme Gefühl: Bin ich gut genug? Habe ich überhaupt etwas Eigenes zu sagen? Warum sieht alles bei anderen so selbstverständlich aus?
Das ist der Moment, in dem Inspiration kippt. Dann wird sie nicht mehr Antrieb, sondern Frustration. Instagram und Pinterest können wunderbare Quellen sein .Aber wenn ich merke, dass mein Blick nicht mehr neugierig ist, sondern vergleichend, dann weiß ich: Ich brauche Abstand. Denn Inspiration sollte nicht klein machen. Sie sollte öffnen.
Multipotentialität: Begeisterung als Risiko
Für mich kommt noch etwas dazu. Als multipassionierte Person begeistere ich mich schnell. Manchmal zu schnell. Wenn ich eine neue Technik sehe, denke ich sofort: Vielleicht sollte ich das auch ausprobieren? Vielleicht wäre das der bessere Weg?
Und genau das kann gefährlich werden. Denn es führt leicht zu Umwegen, die nicht wirklich aus mir heraus entstehen, sondern aus dem Gefühl: Ich könnte etwas verpassen. Ich habe dadurch in der Vergangenheit viele Abzweigungen genommen, die sich später wie Sackgassen anfühlten. Nicht, weil sie falsch waren – sondern weil sie mich weggeführt haben von dem, was eigentlich meines ist.
Heute versuche ich, Inspiration bewusster zu nutzen: Nicht als Einladung, alles zu werden. Sondern als Spiegel, um mich selbst klarer zu sehen.
Inspiration aus der Natur – meine wichtigste Quelle
Die stärkste und ehrlichste Inspiration finde ich nicht online. Ich finde sie draußen. In der Natur. Sie inspiriert mich nicht so sehr durch Techniken oder Trends, sondern durch etwas anderes: Gefühle und Stimmungen. Blüten im Gegenlicht. Windbewegung. Unschärfen. Farben, die nur für einen Moment existieren.
Die Natur fragt nicht, ob etwas „originell genug“ ist. Sie ist einfach da. Und genau das beruhigt mich. Mein größtes Anliegen ist es ja, mit meiner Kunst etwas zu vermitteln: Freude an der Natur. Leichtigkeit. Ein Gefühl von Schönheit und Ruhe. Und dafür muss ich nicht ständig analysieren. Manchmal reicht es, mich treiben zu lassen. Zu schauen. Zu atmen. Zu genießen. Gerade weil im Alltag oft Zeit fehlt, ist das vielleicht die wichtigste Erinnerung: Inspiration ist nicht nur Input. Sie ist auch Präsenz.
Fazit: Inspiration darf nähren – nicht überfordern
Ich glaube, Inspiration ist wie Wasser: Zu wenig – und alles vertrocknet. Zu viel – und man verliert den Boden. Für mich bedeutet ein guter Umgang damit: bewusst schauen nicht vergleichen nicht kopieren nicht in jedem neuen Impuls eine neue Richtung suchen und immer wieder zurückkehren zu dem, was mich wirklich berührt.
Denn am Ende entsteht Stil nicht aus dem, was wir konsumieren. Sondern aus dem, was wir daraus machen.
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