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Burnout – Meine Geschichte und was ich daraus gelernt habe

  • 29. März
  • 3 Min. Lesezeit
Baufällige Außenstruktur einer alten Scheune auf Kreta mit einer Steinmauer und einem Baum.
Nur noch eine leere Hülle…

Viele Menschen kennen den Begriff Burnout, aber nur wenige wissen wirklich, was dahintersteckt. Bevor ich selbst betroffen war, hatte ich ähnliche Vorstellungen wie viele andere: Burnout betrifft vor allem Workaholics oder Perfektionisten – Menschen, die einfach nicht aufhören können zu arbeiten. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren könnte .Doch genau das ist passiert. 


Burnout entsteht nicht plötzlich 


Eine der größten Gefahren von Burnout ist, dass es sich schleichend entwickelt. Im Rückblick erkenne ich heute viele Warnzeichen, die ich damals nicht ernst genommen habe. Alles begann mit Erschöpfung. Zunächst schien das völlig normal. Schlechter Schlaf, zu viele Gedanken in der Nacht, Stress im Alltag – all das kann schließlich jeden einmal müde machen. Außerdem hatte ich gleichzeitig mit Wechseljahresbeschwerden zu kämpfen, sodass ich meine Müdigkeit zunächst darauf zurückführte. Es gab immer eine plausible Erklärung. Doch nach und nach kamen weitere Symptome hinzu. 


Wenn die ersten Warnzeichen auftauchen 


Mit der Zeit veränderte sich meine Stimmung. Ich wurde schneller gereizt und ungeduldig. Manchmal reagierte ich wegen kleiner Probleme unverhältnismäßig stark. Gleichzeitig fühlte ich mich oft traurig und niedergeschlagen.Selbst Dinge, die mir früher beim Entspannen geholfen hatten, machten plötzlich keinen Spaß mehr. Hinzu kamen Konzentrationsprobleme. Aufgaben, die früher leicht waren, fielen mir zunehmend schwer. Ich machte häufiger Fehler und merkte, dass meine Leistungsfähigkeit nachließ. Trotzdem versuchte ich weiterhin, alles zu erklären und zu relativieren. 


Wenn der Körper nicht mehr mitmacht 


Irgendwann war ich schließlich komplett körperlich und mental erschöpft. Burnout wird häufig unterschätzt. Viele glauben, es bedeute einfach, sich schlecht zu fühlen oder etwas müde zu sein. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine tiefe körperliche und seelische Erschöpfung.

Zu dieser Zeit las ich zufällig einen Bericht des ehemaligen deutschen Fußball-Nationaltorwarts Oliver Kahn, der in seinen Memoiren beschrieb, wie er während seines Burnouts auf allen vieren die Treppe hinaufgekrochen war. Ich erinnere mich noch gut an meinen Gedanken in diesem Moment: Willkommen im Club. Denn auch ich war zu diesem Zeitpunkt kaum noch in der Lage, eine Treppe normal hinaufzugehen.

Manchmal schlief ich zwölf Stunden am Stück – ohne mich danach ausgeruht zu fühlen. Gleichzeitig wurde mein Immunsystem schwächer, ich war ständig erkältet, und selbst einfache körperliche Aktivitäten waren kaum noch möglich. Mein Arzt sprach von einer funktionalen Depression


Wie es dazu kam 


Burnout entsteht selten durch ein einzelnes Ereignis. Meist ist es das Ergebnis lang anhaltender Belastung.

In meinem Fall kamen mehrere Faktoren zusammen: Stress im Beruf zunehmende Pflege meiner Eltern er Versuch, meine berufliche Zukunft neu zu gestalten Ich fühlte mich, als würde ich gleichzeitig in drei verschiedene Richtungen gezogen.

Viele Menschen – besonders in der Lebensmitte – kennen diese Situation. Arbeit, Familie, Verantwortung für Eltern oder Kinder und gleichzeitig eigene Lebensentscheidungen können schnell zu einer Überforderung führen. Wenn man gewohnt ist, alles gut zu bewältigen, fällt es besonders schwer zu akzeptieren, dass es irgendwann nicht mehr funktioniert. 


Der Moment des Zusammenbruchs 


Der erste große Einschnitt kam, als sich die Demenz meines Vaters stark verschlechterte und er in ein Pflegeheim ziehen musste. Kurz darauf zog auch meine Mutter dorthin, um sich um ihn zu kümmern. Ich blieb zurück – und musste die Wohnung meiner Eltern alleine auflösen. Das war körperlich anstrengend, aber vor allem emotional belastend. Ich sortierte nicht nur Möbel und Gegenstände aus, sondern einen großen Teil meiner eigenen Geschichte. Danach ging nichts mehr. Ich wurde krankgeschrieben.


Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit 


Diese Erfahrung hat meine Sicht auf mich selbst und meine Grenzen grundlegend verändert.Hier sind die wichtigsten Dinge, die ich daraus gelernt habe. 


1. Der Körper lügt nicht.Warnsignale ernst zu nehmen ist entscheidend. 

2. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Niemand muss alles alleine schaffen. 

3. Ehrlichkeit gegenüber anderen hilft. Zu sagen, dass man gerade nicht leistungsfähig ist, nimmt Druck heraus. 

4. Prioritäten sind unvermeidlich. Man kann nicht alles gleichzeitig schaffen. 

5. Zeit für sich selbst ist notwendig. Bewegung, Ruhe oder Zeit in der Natur sind keine Luxusaktivitäten, sondern wichtige Erholungsräume. 

6. Burnout verschwindet nicht einfach. Auch heute merke ich noch schneller, wenn mein Körper auf Stress reagiert. Deshalb ist Achtsamkeit weiterhin wichtig. 


Ein langsamer Weg zurück 


Ich bin noch immer auf dem Weg der Erholung. Aber ich habe gelernt, besser auf meine Grenzen zu achten und mir selbst mehr Raum zu geben. Burnout hat mich gezwungen, anzuhalten. Und vielleicht liegt genau darin auch eine wichtige Lektion: Manchmal zeigt uns unser Körper sehr deutlich, dass wir unser Leben neu ausbalancieren müssen.

Dazu gibt es auch ein Video: Was mir mein Burnout gezeigt hat


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